Ziel ist die Analyse der Nachweischarakteristika von entecavir(ETV)-Resistenzgenotypmutationen bei klinischen Patienten mit chronischer Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektion in den Jahren 2019 bis 2024, um die Entwicklungsregeln des ETV-Resistenzmusters aufzudecken und eine Grundlage für rationale antivirale Therapien zu schaffen. Methoden: Es wurde eine retrospektive Analyse von 4697 chronisch HBV-infizierten Patienten durchgeführt, die zwischen Juli 2019 und Juni 2024 im Fünften Medizinischen Zentrum des Generalhospitals der Volksbefreiungsarmee einer HBV-Resistenzmutationsuntersuchung und Nukleosid(atischer) Analogtherapie(NAs) unterzogen wurden. Je nach Nachweis von ETV-resistenten Genmutationen wurden die Patienten in eine Gruppe mit ETV-Resistenzmutationen (n=547) und eine Gruppe ohne ETV-Mutationen (n=4150) eingeteilt. Das virale Genom wurde aus dem Serum der Patienten extrahiert und die HBV-Reverse-Transkriptase(RT)-Region mit einer einkammrigen Nested-PCR amplifiziert. Mutationen an NAs-resistenten relevanten Stellen wurden analysiert; unter Einbeziehung klinischer Daten wurde eine logistische Regressionsanalyse der resistenzassoziierten Risikofaktoren durchgeführt. Ergebnisse: Von 4697 Patienten wurden bei 547 (11,6%) ETV-Resistenzmutationen nachgewiesen. Die ETV-Resistenzmutationen traten hauptsächlich bei Patienten auf, die zuvor mit NAs behandelt wurden, hauptsächlich sequenzielle Behandlung mit LAM→ETV (66,5%) und LAM→ADV→ETV (20,0%). Von den 59 detektierten ETV-Resistenzmutationsmustern waren Mutationen an der rtS202-Position am häufigsten (302 Fälle, 55,2%), gefolgt von Mutationen an rtT184 (233 Fälle, 42,6%) und rtM250 (71 Fälle, 13,0%). Im Vergleich zur Gruppe ohne ETV-Mutationen waren in der ETV-Resistenzmutationsgruppe signifikant höhere Anteile von Männern, Alter, ALT, HBV-DNA-Ladung, HBeAg-Positivitätsrate, HBV-Genotyp C, Leberzirrhose und Behandlungsgeschichte mit LAM zu verzeichnen (P<0,05). Die multivariate Analyse zeigte, dass Alter ≥45 Jahre, HBeAg-Positivität, HBV-DNA ≥3,0 log10 IU/ml, HBV-Genotyp C, Leberzirrhose und frühere LAM-Behandlung unabhängige Risikofaktoren für ETV-Resistenzmutationen sind. Von 184 Patienten, die eine Rettungstherapie mit Tenofovirdisoproxilfumarat(TDF)/Tenofoviralafenamidfumarat(TAF) erhielten, erreichten 148 (80,4%) nach 48 Wochen eine virologische Antwort, darunter 2 Patienten, die TAF + PEG IFN-α erhielten und eine HBeAg-Serokonversion erreichten. Fazit: ETV ist als derzeit empfohlene orale Nukleosidstarkeffekt-Therapie der ersten Linie bei chronischer Hepatitis B klinisch wirksam, wobei sich das Resistenzmuster hauptsächlich in Richtung rtS202G+L180M+M204V-Mutationen entwickelt. Alter, HBeAg-Positivität, hohe HBV-DNA-Viruslast, HBV-Genotyp C, Leberzirrhose und Behandlung mit LAM sind die Haupt-Risikofaktoren für ETV-Resistenz. Die Rettungstherapie mit TDF/TAF + PEG IFN-α könnte eine wirksame Option zur Erreichung einer funktionellen Heilung bei ETV-resistenten Patienten darstellen.