Polyphosphat (polyP) ist ein Molekül im Blut mit thrombo- und immunregulierenden Funktionen. Auf molekularer Ebene besitzt polyP sowohl proinflammatorische Aktivität als auch komplementinhibierende Funktionen. Seine proinflammatorische Aktivität zeigt sich in der Erhöhung der Freisetzung des proinflammatorischen Mediators Bradykinin und der Entstehung thromboinflammatorischer Reaktionen, der Aktivierung von mTOR, Wnt/β-Catenin und NF-κB-Signalwegen bei Säugetieren sowie in der Verstärkung der proinflammatorischen Signalwege der nukleären Zytokine [High Mobility Group Protein 1 (HMGB1) und Histon H4 (H4)]. Daher könnten polyP-Inhibitoren als entzündungshemmende Medikamente zur Behandlung oder Prävention von polyP-vermittelten Entzündungen bei Infektionen, Verletzungen und anderen Zuständen dienen. polyP kann die Komplementaktivität durch Hemmung bestimmter Stadien des klassischen, Lektin- und terminalen Komplementwegs unterdrücken, wodurch aktivierte Endothelzellen vor komplementbedingten Schäden geschützt werden, während die thrombo- und proinflammatorischen Eigenschaften des Komplements erhalten bleiben. Auf zellulärer Ebene ist die immunregulatorische Wirkung von polyP von seiner Länge abhängig; kurzkettiges polyP aus Thrombozyten aktiviert Immunzellen, während langkettiges Bakterien-polyP eine vollständig gegenteilige hemmende Wirkung besitzt und bakterielle Immunflucht fördert. Die pharmakologische Blockade der polyP-abhängigen Signalwege in menschlichen Makrophagen fördert somit die Abtötung von von Makrophagen aufgenommenen Pathogenen und bietet ein neues therapeutisches Ziel für die Behandlung intrazellulärer Infektionen wie durch Mycobacterium tuberculosis bedingte Erkrankungen. Diese Übersichtsarbeit fasst die immunregulatorischen Funktionen von polyP auf molekularer und zellulärer Ebene zusammen und dient als Referenz zur Vertiefung des Mechanismusverständnisses und zur Förderung klinischer Anwendungen.